Donnerstag, 29. November 2012

Spontantrip nach Rwanda



Am vergangenen Mittwoch fragte mich Alice, ob ich nicht am Freitag mit ihr nach Rwanda kommen möchte – sie müsse sowieso dorthin, um ihr Visa zu erneuern und würde deshalb die Kosten für Auto und Fahrer übernehmen. Da wäre ich doch doof gewesen, wäre ich nicht mitgekommen!

Tag 1 – Freitag der 23. November


Die Autofahrt war lang, aber eindrucksreich. Um 11 Uhr ging es los, gewappnet mit Unmengen an Essen (Nick hat uns ein wenig Schokolade mitgegeben, Alice hat für Pingels gesorgt und ich habe am Abend zuvor noch Candied G-Nuts zubereitet). Zunächst einmal ging es durch die schon viel zu bekannte Landschaft des Queen Elizabeth Nationalsparks und durch Berge bis nach Isahaka, ab dort wurde es dann interessant, weil wir die altbekannte Route verließen und nicht weiter in Richtung Mbarara fuhren, sondern in Richtung Norden abbogen – eine Abkürzung, die diesen Namen auf Grund der Straßenqualität auch echt verdient! Das Landschaftsbild änderte sich ständig: in manchen Gebieten erinnert mich Uganda absurderweise an Schweden – man müsste nur die Matooke- und Eukalyptusbäume durch Nadelbäume austauschen und die Lehmhütten  durch rote Holzhütten. Beim Weiterfahren kamen wir dann aber auf einmal durch wahnsinnige Mengen an Papyrus und noch weiter nördlich ist die Landschaft immer weniger landwirtschaftlich geprägt, die Spitzen der Berge sind leer und kahl, es wird lediglich vereinzelt Matooke angebaut und ziemlich viele Kühe spazieren durch die Gegend. Mir erschien es immer westlicher; man sieht mehr hübsche Häuser und mehr EU-gesponserte Schulen. Schon alleine durch die andere Landschaft setzte also das Gefühl von Urlaub ein und wir fuhren grinsend weiter. Gegen vier Uhr nachmittags kamen wir in Kabale an, eine Stadt sehr nah der Grenze, und gönnten uns dort nach circa 5 ½ Stunden Fahrt unsere erste Pause – versüßt mit einem Passionfruit Juice. Nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir die Grenze, Alice und ich kamen ziemlich schnell rüber (zwei Stempel in unseren Reisepässen reicher), jedoch mussten wir recht lange auf William (unseren Fahrer) warten, der nicht nur sich selbst, sondern auch das Auto über die Grenze bugsieren musste. 



Papyrus-Massen


Folgende Sachen sind mir auf dem Weg nach Kigali aufgefallen: die Felder sind viel systematischer und geplanter angelegt, die Straßen sind super gut, die Boda-Fahrer tragen Helme und nehmen maximal eine Person auf ihren Bodas mit, die Leute kleiden sich westlicher als in Kampala, die Rush-Hour ist in Kigali genauso schlimm wie in Kampala (innerhalb von einer Stunde ganze 50 Meter weitergekommen!). 

In Kigali haben wir uns nachts gefühlt, als wären wir in einer europäischen Stadt, an manchen Stellen ist es sogar schicker als jede europäische Stadt die ich kenne! Nach 2 ½ Stunden Rumgurken in Kigali haben wir es so gegen 10 dann aber endlich in unser Hostel geschafft, dem „Discover Rwanda Youth Hostel“. Danach waren wir noch nebenan lecker chinesisch essen und waren begeistert von der Freundlichkeit der Leute, die Bedienungen behandeln einen wirklich zuvorkommend, das habe ich in Uganda noch nie so extrem erlebt. Jedoch ist alles sehr viel teurer als in Uganda und das Französisch würde mich irgendwann doch auch sehr nerven.    

Um 11 sind wir endlich supermüde und vollgestopft mit Essen ins Bett gefallen und waren gespannt darauf, wie Kigali wohl im Tageslicht aussehen würde!

Tag 2 – Samstag der 24. November


Unseren Samstag wollten wir eigentlich früh starten, um möglichst viel von Kigali zu sehen, jedoch haben wir unsere Rechnung ohne die Ruander gemacht, die immer am letzten Samstag im Monat den Umuganda-Tag haben. Umuganda ist ein Gemeinschaftstag, an dem alle von 7 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags gemeinnützige Arbeit erledigen, weshalb dann alle Museen, Geschäfte, Restaurants,… geschlossen sind. Eingeführt wurde der Umuganda-Tag übrigens nach dem Genozid, um die Menschen wieder zusammenzubringen.

Anstatt also sofort zum Kigali Memorial Centre zu fahren, haben wir uns für den Vormittag und Mittag in das berühmte Hotel des Mille Collines begeben, dort im Pool geschwommen und sehr lecker zu Mittag gegessen. Hier kurz die Geschichte zu dem Hotel: 


„Das Hôtel des Mille Collines ist ein großes Hotel in Kigali, das während des Völkermords in Ruanda 1994 mehr als tausend Menschen Zuflucht und damit die Rettung vor dem sicheren Tod bot.
Die Geschichte des Hotels und seines damaligen Managers Paul Rusesabagina wird in dem Film „Hotel Ruanda“ erzählt.
Die belgische Fluggesellschaft Sabena, der das Hotel damals gehörte, flog den europäischen Manager des Hotels aus und setzte Rusesabagina, den damaligen Manager des kleineren Hôtel des Diplomates als neuen Manager ein. Gemeinsam mit seiner Frau gelang es ihm, mittels Geld und Ausschank von Alkohol die völkermordenden Hutu-Interahamwe Milizen immer wieder davon abzuhalten, die Bewohner des Hotels zu ermorden. Außerdem gelang es ihm, die Bewohner mit Wasser – das man dem hoteleigenen Schwimmbecken entnahm, bis es leer war – und mit Lebensmitteln zu versorgen.“


Der Pool des Hotel des Mille Collines (und Teile Kigalis)



Den Nachmittag haben wir komplett im Kigali Memorial Centre verbracht, das sich mit dem Genozid beschäftigt. Ich denke, dass die meisten von euch mit diesem Thema vertraut sind, dennoch hier eine Zusammenfassung der Geschehnisse (auch wenn es mir sehr schwer fällt, diese kurz zu fassen): 

Der Völkermord in Ruanda begann am 6. April 1994 und endete im Juli des gleichen Jahres. In dieser kurzen Zeit wurden Schätzungen nach zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen umgebracht. Die Vorgeschichte zu diesem Morden ist lang und kompliziert und beginnt in der Kolonialzeit, in der zunächst die Deutschen und dann die Belgier die Ruander in Hutu, Tutsi und Twa kategorisierten. Diese unterschiedlichen Clan-Bezeichnungen hatten zwar auch schon zuvor bestanden, jedoch waren sie recht locker auslegbar und sagten nicht besonders viel aus, außer darüber, welchen Beruf man ausübte. Die Kolonialmächte ordneten dann aber jede Person klar einer Gruppe zu (mehr als 10 Kühe: Tutsi, weniger als 10 Kühe: Hutu) und trugen dies auch in die Personalausweise ein. Die nächsten Jahre waren durch immer mehr politische Spannungen geprägt. Die Kolonialmächte hatten zunächst den Tutsi die politischen Ämter übertragen, 1959 kam es dann jedoch zu Massakern und 1961 kam schließlich Grégoire Kayibanda als Mitglied einer Hutu-Partei an die Macht. Immer mehr Tutsi flohen aus dem Land, immer mehr Propaganda gegen die Tutsi wurde verbreitet. Diese unterschwellige Aggressivität gegenüber den Tutsi hielt an, bis am 6. April das Flugzeug mit dem Präsidenten abgeschossen wurde – das war der Auslöser zum Morden. Die internationale Gemeinschaft griff kaum bzw. gar nicht ein, der Begriff „Genozid“ wurde auf internationalen Debatten nicht verwendet, weil das die UN zum Eingreifen verpflichtet hätte. Insgesamt wurden etwa 75 % der Tutsi umgebracht. Letztendlich wurde der Völkermord durch die RPF (Rwandan Patriotic Front) beendet.

Der Besuch des Museums war auf jeden Fall interessant und lohnenswert, wenn auch bedrückend. Zwar habe ich nicht wirklich neue Informationen erhalten, da ich bereits eine Facharbeit über das Thema geschrieben habe und demnach auch Bücher gelesen habe, jedoch hat das ganze jetzt Gesichter bekommen. Es werden viele Einzelschicksale aufgegriffen, sowohl von kleinen Helden, als auch von Leidtragenden. Außerdem gibt es viele (schockierende) Fotos zu sehen und so traurig das ist, aber ich habe das Gefühl, dass unsere Generation, die ja ständig und von klein auf schlimme Bilder im Fernsehen oder Internet gesehen hat, oft solche Fotos braucht, um das Ausmaß und die Grausamkeit überhaupt zu realisieren. 

Massengräber beim Kigali Memorial Centre

Das perfekte Reiseteam vor der Skyline des Zentrums Kigalis


Das Thema halbwegs verdaut haben wir dann bei einem Bier und äthiopischem Essen und noch viel darüber diskutiert, bevor wir uns am späteren Abend dann zu einer Party meiner in Kigali positionierten artefact-Mitfreiwilligen begeben haben.


Tag 3 – Sonntag der 25. November


Am Vormittag haben wir zwei Genozid-Gedenkstätten besucht, beides Kirchen mit einer ähnlichen Geschichte. In beiden Kirchen haben Tutsi in Scharen Zuflucht  gesucht, in dem Glauben, dass die Hutu sie an einem solchen Ort nicht angreifen würden; in beide Kirchen haben die Hutu Bomben geworfen und jeden Überlebenden mit Macheten getötet. In der Ntarama Church wurden etwa 500 Menschen getötet, in der Nyamata Church etwa 2.500. In beiden Kirchen sind viele der Knochen und Schädel, sowie die Klamotten, die von den Menschen getragen wurden, ausgestellt. In den Schädeln stecken vereinzelt noch die Waffen, in vielen sieht man die Schnitte der Macheten. In der Nyamata Church sieht man selbst an der Decke noch Blutspritzer. Am schlimmsten fand ich jedoch in beiden Kirchen jeweils eine Wand, die voll vom getrockneten Blut war; die Kinder/Babys wurden getötet, indem sie immer wieder dagegen geschmettert wurden. 

Die Ntarama Church


Nach dieser „leichten Vormittagsunterhaltung“ haben wir uns dann auf den Rückweg nach Uganda gemacht. Ursprünglich hatten wir geplant die restliche Zeit am Lake Kivu zu verbringen, jedoch schien uns das auf Grund der Rebellen im Kongo, die dem Lake Kivu sehr nahe sind, doch ein bisschen gefährlich. Also haben wir beschlossen, stattdessen an den Lake Bunyonyi zu fahren.
Einige Autofahrstunden und eine erneut erfolgreiche Grenzüberquerung später sind wir um 5 Uhr nachmittags am Lake Bunyonyi angekommen. Da wir uns jedoch im „Byoona Amagara Island Retreat“ eingemietet hatten und diese Anlage auf der Insel Itambira Island liegt, hatten wir noch eine Stunde Kanufahrt vor uns, was aber wirklich ein Geschenk war, da die Landschaft mehr als nur wunderschön ist! Der See ist gespickt von insgesamt 29 Inseln, manche kleiner, manche etwas größer, zum Teil sogar mit Schulen und Kirchen, das alles umsäumt von zahlreichen Bergen. Die Kanus schnitzen die dort lebenden Ugander aus Eukalyptus-Stämmen, wofür sie circa eine Woche brauchen; halten tut so ein Kanu dann aber auch gute 7-8 Jahre!
Geschlafen haben wir in einem Geodome – eine Art Rundhütte, die nach vorne offen und nicht schließbar ist, wodurch man vom Bett aus einen herrlichen Ausblick auf den See hat.

Tag 4 – Montag der 26. November


Fast lohnt es sich nicht, über diesen Tag einen eigenen Abschnitt zu schreiben, aber die Ordnung verlangt es wohl so. Getan haben wir am Montag: nichts. Während wir am Vormittag in der Sonne lagen, gelesen haben und uns dachten, dass wir den Nachmittag für alle möglichen Aktivitäten nutzen, lasen wir am Nachmittag in unserem Hüttchen, hörten den Regen auf das Dach prasseln und dachten uns, dass wir doch lieber den Vormittag für alle möglichen Aktivitäten hätten nutzen sollen. Wir haben jedoch nicht nur gelesen, sondern auch extrem viel gegessen, da Byoona Amagara wirklich herrliche (westliche) Speisen anbietet! In den Nächten wurde es übrigens wirklich kalt! 3 Wolldecken und lange Kleidung, das wäre in Kasese wirklich undenkbar!

Ausblick von unserer Hütte


Tag 5 – Dienstag der 27. November


Am Dienstag haben wir aus unserem Fehler des Vortrages gelernt und waren morgens gleich nach dem Aufstehen Kanu fahren, obwohl wir kläglich versagten und nur im Kreis paddelten. Unter Einheimischen ist der See für die Muzungus, die sich im Kanu im Kreis drehen bekannt; so konnten wir uns sicher sein, dass wenigstens unsere Zuschauer Spaß hatten, auch wenn wir schon nach einer knappen Stunde aufgaben. Danach sind wir (nach einem kleinen Frühstück) im See schwimmen gegangen, der zwar recht schmutzig, dafür aber Bilharziose-frei und angenehm kühl ist. Gerade als wir aus dem Wasser kamen fing es wieder an zu regnen, hielt an diesem Tag jedoch nur für kurze Zeit an, sodass wir am Nachmittag noch eine kleine Wanderung unternehmen konnten. Und auch das Essen war an diesem Tag genauso herrlich wie am Montag:) Zum Abschluss unserer Reise haben wir uns am Abend dann den teuren Luxus einer Flasche Rotwein erlaubt und ein letztes Mal den abendlichen Blick über den See genossen. 

Unser süßes Hüttchen :)


Tag 6 – Mittwoch der 28. November


Tag der Rückfahrt. Schon traurig, hatten wir doch wirklich eine feine Zeit zusammen! Aber alles hat wohl sein Ende, also haben wir uns Pfannkuchen zum Frühstück gegönnt und sind dann (erneut mit dem Kanu) zum Bootsanleger zurückgefahren, wo William schon auf uns gewartet hat. Dann habe ich festgestellt, dass ich das erste Mal beraubt wurde, was mich sehr geärgert hat. Zwar handelte es sich dabei nur um eine Tupper-Dose, die ich im Auto liegengelassen habe und die von einem Autoputzer „mitgenommen“ wurde, jedoch ging es mir eher ums Prinzip (und darum, dass man in Uganda nur Schrott-Dosen kaufen kann), weshalb ich dann darauf bestanden habe, den Mann aufzusuchen. Der hat sie mir natürlich nicht wiedergebeben – angeblich hielt er sie für Müll und hat sie weggeworfen, was ziemlicher Quatsch ist, weil sie noch zur Hälfte mit G-Nuts gefüllt war. Aber naja, besser eine Dose, als meine Kamera ;)
Ansonsten verlief die Rückfahrt recht ruhig, wenn auch regnerisch und dadurch matschig. Um halb6 war ich dann wieder zu Hause und wurde mal wieder von einer kleinen Pfütze in meinem Wohn-/Esszimmer begrüßt, was regelmäßig der Fall ist, wenn es etwas stärker regnet. Trotzdem: Es ist immer wieder schön, „nach Hause“ zu kommen! :)

Freitag, 19. Oktober 2012

Lang ist es her...

...dass ich das letzte mal geschrieben habe. Das liegt allerdings noch nicht mal an Faulheit, sondern eher daran, dass ich zwar viel gemacht habe, allerdings nichts, worüber ich wirklich einen langen Eintrag hätte schreiben können.
Also kommen hier einfach mal ein paar Fotos und ein kleiner Überblick, von dem, was ich so getrieben habe.

Am 2. Oktober bin ich nach Bwera gefahren, ein kleines Städtchen, dass direkt an der Grenze zum Kongo liegt. Dort hat es mich hinverschlagen, weil mein Mentor dort lebt und arbeitet. Hauptsächlich war ich da, um sein Projekt kennenzulernen: eine Schule, in der von den etwas über hundert Schülern etwa 47 Kinder Aids-Waisen sind. Eigentlich eine Schule wie jede andere auch, nur hatte ich das Gefühl, dass die Kinder weniger lächeln (habe ich mir auf Grund meiner Niedergeschlagenheit vielleicht aber auch eingebildet).
Aber auch ansonsten war der 2-tägige Aufenthalt wirklich interessant. Ich habe in dem Haus meines Mentors geschlafen: kein Strom, kein Wasser, mein Bett durch einen Vorhang vom Rest abgetrennt; dafür aber eine riesige Gastfreundschaft und Unmengen an Essen. Die Gespräche mit ihm waren ebenfalls recht aufschlussreich, da er sich mit vielen regionalen Problemen beschäftigt, von denen ich zuvor zum Teil gar nicht so viel mitbekommen habe. So werden hier zum Beispiel wahnsinnig viele 12- bis 19-jährige schwanger. Die Gründe dafür sind vielseitig: der Hauptgrund scheint die Armut zu sein, da viele Mädchen, die kein Geld zum Essen haben, dieses dann von den Jungs in der Schule für eine "Gegenleistung" erkaufen können, oder sich zum Teil sogar Sugardaddys suchen. Wenn dann erstmal ein Mädchen damit angefangen hat, kommt es dazu, dass seine Freundinnen es auch machen, weil es "cool" ist. Kann man ja im Grunde genommen mit dem Rauchen auf deutschen Schulhöfen vergleichen, nur dass man vom Rauchen kein Baby kriegt. Der letzte Grund ist, dass die Mädchen versuchen, den "Western lifestyle" zu kopieren - ist euch mal aufgefallen, dass bei den (häufigen) Sexszenen in Filmen davor nie gezeigt wird, dass das Paar ein Kondom benutzt? Und selbst wenn die Kinder / Jugendlichen wissen, dass man eigentlich ein Kondom benutzen sollte: sie würden sich viel zu sehr schämen, um sich welche zu kaufen.
Wie dem auch sei, das sind die ersten Gedanken, die ich mir zu diesem Thema gemacht habe, das wird mich bestimmt noch die restliche Zeit hier verfolgen.

Kinder der "Rena Skole" beim Lunch

Am Samstag dem 6. Oktober bin ich nach Kampala gefahren und bin dort bis zum darauffolgenden Donnerstag geblieben. Über diese knappe Woche lässt sich nicht so wahnsinnig viel erzählen. Ich hab ein unverschämt westliches Leben geführt (gut gegessen, beim Friseur gewesen, eingekauft,..), an einem Abend waren wir sogar in einem deutschsprachigen Film, der vom Goethe-Institut angeboten wurde.
Am 9. Oktober war 50. Independence-Tag, den ich alles in allem zwar irgendwie beeindruckend, aber auch wahnsinnig bescheurt fand. Beeindruckend war er, weil wirklich die ganze Stadt auf den Kopf gestellt wurde: neuer Rasen auf den Mittelstreifen, überall Fahnen, manche Pfeiler wurden neu angestrichen,.. Wenn man dann allerdings bedenkt, was man von dem ganzen Geld SINNVOLLES tun könnte, findet man das nur noch absurd. Ich finde es zumindest absurd, vor allem, da Museveni das ganze Geld raushaut, um sich selbst zu lobhudeln, ohne das die ganze Bevölkerung dahinter steht. Viele Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe (was aber zugegebenerweise hauptsächlich junge und gebildete Studenten waren - repräsentiet also nicht die breite Bevölkerungsschicht), nahmen gar nicht richtig am Unabhängigkeitstag teil, da sie nicht mit der Politik Musevenis zufrieden sind, sondern nutzten den freien Tag eher als einen guten Grund Alkohol zu trinken und feiern zu gehen. Haben wir letztendlich ähnlich gehalten, auch wenn wir davor versucht haben, zumindestens einen Teil mitzukriegen (mir wurde der Eintritt auf das Gelände jedoch verwehrt, da ich eine Kamera bei mir hatte). Die Kraft dieser jungen Leute sollte man meiner Meinung nach nicht unterschätzen, heute habe ich in der "BBC - Focus on Africa" den folgenden Text von George Ayittey gelesen:

A new generation of angry Africans I call 'the cheetahs' is emerging. They are fed up with dysfunction, rampant corruption and dictatorship. They understand what accountability, rule of law and democracy are all about. Young, university educated, agile and tech-savvy, they will push aside the sclerotic opposition leaders - some with cobwebs dangling from their ears - drain the ponds of 'the hippos' and take back Africa - one village at a time.
Der Text ist zwar nicht explizit auf Uganda bezogen und ist vielleicht auch ein bisschen zu hoch gegriffen (zumindest für Uganda), aber die Grundaussage ist schon nicht unwahr. Es gibt immer mehr gebildete junge Leute die wissen, wie es sein könnte und die nicht mehr zu der Generation gehört, die Museveni dankbar ist, weil er sie von Idi Amin "erlöst" hat. Ein belgischer Freund von mir ist der festen Überzeugung, dass es innerhalb der nächsten 10 Jahre zu einer "Revolution" kommt, mal schauen, ob er Recht hat.  

Nur zwei der Leckerein, die ich mir in Kampala gegönnt habe:

Cappuccino en masse..

.. und Turkish Pizza
Den Samstag nach meiner Rückkunft (13. Oktober) haben wir in der Kingfisher Lodge verbracht, um dort den Abschied von Cormac und Rebecca zu feiern, die leider am Montag gefahren sind. Die Lodge ist wunderschön, vor allem die Lage! Sie liegt an einem Hügel, sodass man einen wunderschönen Blick über den Queen Elizabeth Nationalpark hat, staunt selber:


Ein Teil der "Kasese Crew" - 2 davon sind nun weg, 4 Leute waren nicht da
Mit diesen schönen Bildern überlasse ich euch nun eurem Fernweh, bis bald :)

Montag, 1. Oktober 2012

Meine Wohnung

Nachdem meine Wohnung nun - mehr oder weniger - vollständig eingerichtet ist, kommen hier ein paar Fotos.

Das Grundstück auf dem ich wohne ist wirklich sehr schön und gepflegt, auch wenn es natürlich nichts im Vergleich zu dem heimatlichen Garten ist. Es besteht aus einem großen Haus, in dem ein schon etwas älterer, sehr netter Engländer namens Andy wohnt, der auf Grund seiner Arbeit jedoch die meiste Zeit unterwegs ist und nur einen Drittel seiner Zeit in Kasese verbringt. Das kleinere Haus ist in drei Wohnungen unterteilt, von denen ich eine bewohne. In der anderen Zwei-Zimmer-Wohnung lebt ein Ugander namens Didas, der für die Bank arbeitet und in der dritten Wohnung (die nur aus einem Zimmer besteht) hat unser Guard neuerdings ein Bett - zuvor lebte er in der Garage.

Blick vom Tor auf die Häuser 
In der Mitte meine Wohnung - nach links in den Gang rein geht es zur Küche und zum Bad
Meine Wohnung besteht aus zwei Zimmern: Schlafzimmer und Ess-/Wohnzimmer. Insgesamt ist sie etwa 20 Quadratmeter groß, also nicht gerade riesig, aber ausreichend. Als ich angekommen bin, war das einzige Möbelstück ein Bett mit Matratze, den Rest habe ich mit der Hilfe meines Chefs gekauft bzw. ein paar Kleinigkeiten von einem Peacecorp geschenkt bekommen, der am Montag abgereist ist. Ich wünsche mir zwar immernoch einige Möbelstücke (z.B. einen Holzstuhl), aber damit warte ich am besten, bis die nächsten Leute gehen, da das doch sehr viel preiswerter ist.

Das Esszimmer

Kleine Sitzecke (natürlich darf das Foto von den Mädels nicht fehlen) - auf die Vorhänge bin ich übrigens besonders stolz, da ich sie selbst genäht habe ;)

Mein Schlafzimmer
Wenn ich zum Badezimmer oder zu der Küche gehen will, muss ich erstmal nach draußen gehen, was teilweise ein wenig nervt, vor allem, wenn es dann doch mal regnet. Das Badezimmer ist nun eigentlich recht "schick", nachdem die Landlady es ein wenig umgebaut hat (auch, wenn der Wasserboiler noch nicht funktioniert, worüber ich jeden Morgen erneut fluche):

 

Meine Küche hingegen finde ich wirklich sehr nervig. Es gibt keine vernünftige Arbeitsfläche (die erste Regalreihe ist eigentlich zu hoch), sie ist noch nicht besonders gut ausgestattet und zusätzlich habe ich einen Gaskocher mit nur einer Kochstelle, was es schwer macht, mal etwas aufwändigeres und leckeres zu kochen.
Ich habe also noch ein paar Wohnungsprojekte vor mir, um es noch schöner zu machen. So werde ich  mir aus alten Wasserflaschen Blumentöpfe bauen, die ich neben meine Haustür stellen möchte, ich möchte mir ein "Hängeregal" konstruieren und eventuell auch noch einen Lehmofen in den Garten bauen, da muss ich jedoch erst noch meine Landlady fragen, ob das in Ordnung ist. Das wäre auf jeden Fall toll, dann könnte ich mir leckeres Brot backen!

Ansonsten bin ich mittlerweile im Alltag angekommen, auch wenn ich den immer wieder durch kleine Ausflüge unterhaltsamer mache. Letzte Woche Samstag war ich zum Beispiel mit Alice und Maria in den Kilembe Mines, die wohl demnächst von den Chinesen wieder genutzt werden, weshalb wir sie uns vorher noch mal angucken wollten. An diesem Samstag bin ich mit Cormac, Rebecca und Sasha nach Fort Portal gefahren um Pizza zu essen und ein bisschen zu feiern, was wirklich Spaß gemacht hat. Aber auch, wenn wir nichts großes machen, ist fast jeden Abend etwas los, sei es, dass wir zusammen Essen gehen oder eine DVD schauen.
Ich bin also immer beschäftigt, weshalb die Zeit wirklich rast! Ich bin tatsächlich schon seit sieben Wochen hier.
Habt einen schönen Montag, bis in 45 Wochen ;)

Mittwoch, 19. September 2012

"Krankenbesuch" in Soroti

... der letztendlich kein Krankenbesuch war, weil Caros Mandelentzündung ("Dank Gott!") verschwunden war, als ich ankam.
Und auch der Horrortrip von Kasese nach Soroti war letztendlich gar nicht so Horror wie gedacht. Der Postbus, der um 5 Uhr morgens in Kasese losfährt, ist nämlich erstaunlich bequem und leer, sodass ich sogar noch ein wenig schlafen konnte. Es hätte wohl auch mehr Schlaf sein können, wenn ich nicht neben einem nicht ganz schließbaren Fenster gesessen hätte, man muss schließlich bedenken, dass außerhalb Kaseses Regenzeit in Uganda ist. Zwar wird auch Kasese ab und zu vom Regen heimgesucht, das beschränkt sich allerdings auf einen höchstens halbstündigen Schauer alle drei Tage. Gegen halb1 bin ich dann in Kampala angekommen und war sofort erschlagen von den Menschen-/ Tieren-/ Automassen, sodass ich Zuflucht im altbekannten Aponyehotel gesucht habe, von dem ich schließlich wusste, dass es dort vernünftiges Essen und ein Klo gibt. Vegetable Curry mit Reis und Chapati - meine neue Leibspeise. Recht spontan habe ich mich dort auch noch mit einem Mitfreiwilligen (Hendrik) getroffen und die neusten Updates aus Kampala erfahren.
Den zweiten Teil der Reise habe ich dann um drei Uhr in einem bei weitem unbequemeren Bus angetreten, dafür musste ich nicht allzu lange warten, da er schon im Begriff war loszufahren, als ich ankam. Für gewöhnlich kann es einem durchaus passieren, dass man Stunden im Bus verbringt, da es keine festgelegten Abfahrtzeiten gibt, sondern die Busse losfahren, wenn sie voll sind. Die Wahl des Busses habe ich spätestens auf der Strecke zwischen Mbale und Soroti bedauert, die praktisch ein einziges großes Schlagloch ist. Ich: "Ich finde es krass, dass ne Straße so schlecht sein kann", Caro: "Ich finde es krass, dass die das Straße nennen!".  Um 10 war aber auch diese Strecke überstanden und ich war endlich in Soroti bei Caro!
Den Samstag haben wir mit einem Chapati-Frühstück eingeläutet. Wurde letztendlich eher zu einem Mittagessen, da wir die Zubereitungszeit unterschätzt haben. Danach sind wir dann zunächst ein wenig ziellos durch Soroti gelaufen - eine wirklich schöne Stadt! Perfekte Mischung zwischen Groß- und Kleinstadt. Um die Stadt beneide ich Caro ja fast ein wenig, allerdings finde ich meine Umgebung schöner. In der Gegend Sorotis ist es super flach, nur ab und zu schaut ein großer Fels aus dem Boden; woher diese kommen, haben wir noch nicht herausgefunden. Zwei von denselbigen haben wir nachmittags dann auch bestiegen. Auf den ersten durften wir jedoch nicht ganz, da oben drauf irgendeine miliätrische Einrichtung ist, auch wenn wir wohl ohne Probleme an dem schlafenden Soldaten hätten vorbeilaufen können, dessen Waffe etwa 3 Meter neben ihm lag.. super Bewachung! Die Aussicht war trotzdem super:

 

Die Haupteinkaufsstraße Sorotis
Der zweite Rock war dann doch um einiges weniger beeindruckend, da er recht klein war, jedoch trotzdem schön. Als wir an dessen Spitze angekommen waren, hat es unmittelbar angefangen  zu regnen und bis wir unten waren und uns in die nächste Schule flüchten konnten waren wir klitschnass und die Straßen waren Bäche.
Abends waren wir noch Essen und in einer Bar. Da würde ich dann endgültig nicht mehr mit Caro tauschen wollen! Auf Grund ihrer Arbeit für die Church of Uganda konnten wir uns nicht nach draußen setzen um ein Bier zu trinken, sondern musste uns drinnen verstecken. Was ist denn das nur für ein Leben, in dem man nicht draußen ein Bier trinken kann? :D

Die starke Caro und die stumpfe Marie 

Am Sonntag haben wir uns kurzerhand in den Bus gesetzt und sind nach Mbale gefahren, da man von dort aus sehr viel mehr unternehmen kann. Die Busfahrt hat jedoch länger gedauert als gedacht - Buspanne Nr. 1 in meinem Uganda-Leben. Als wir nach 1 1/2 Stunden dann grade drauf und dran war den Bus zu verlassen um den restlichen Weg zu trampen ging es aber endlich weiter und durch die lange Zeit hatten wir immerhin genug Zeit zu beschließen, dass wir nicht in Mbale sondern Sipi übernachten wollen. Als wir in Sipi angekommen sind, waren wir auch recht froh über die Entscheidung, da wir uns beide nicht so super wohl dort gefühlt haben. Recht grau für Afrika und zu viele Stockwerke, man könnte ja schon fast sagen: westlich! Also haben wir Mbale nur genutzt, um ein paar Bananen zu kaufen und umzusteigen.

Sobald Busse stoppen, kommen Leute, die einem Essen verkaufen - Mamas geschmierten Brote sind also nicht mehr nötig ;)

Packesel

In Sipi angekommen wurden wir zu Moses Campsite dirigiert, ein Plätzchen, das rustikal und billig ist, dafür aber durch eine wundervolle Lage auffällt! Da man in die Ausläufe des Mount Elgons fährt hat man einen tollen Blick auf die Ebene und sichtet auch schon die Sipi falls.



Den Abend haben wir dann mit vier weiteren Deutschen, die ebenfalls auf dem Campingplatz waren, verbracht - die nettesten Leute trifft man halt doch in Low-Budget-Unterkünften! :)
Am Montag haben wir dann mit einem Guide eine Wanderung zu den drei Wasserfällen unternommen und gleichzeitig auch noch den Coffee-Walk integriert, also auch noch selber Kaffee hergestellt, der echt lecker war! Das war für uns beide wohl der Höhepunkt des Wochenendes, die Tour hat echt super Spaß gemacht. Davon fehlen mir jedoch leider die Bilder, da mein Akku alle war, werden aber nachgereicht, sobald ich die Fotos von Caro habe. 
Nach der Tour sind wir dann zurück nach Mbale getrampt, das ist nun meine Lieblingsart zu Reisen! Es gibt wirklich nichts tolleres, als hinten auf der Ladefläche eines Trucks zu sitzen und sich den Wind um die Nase pfeifen zu lassen. Für alle, die sich nun sorgen machen, mein Reiseführer sagt dazu:
"Although some guides to east Africa carry severe warnings against hitching, this strikes me as a knee-jerk reaction based on the type of risk associated with hitching in Western countries. Being picked up by a psychopath should be the least of concerns when travelling in Uganda - there is far greater risk of being injured killed in a car accident, and dince drivers of private vehicles are generally less reckless than their professional counterparts, this is arguably reduced by hitching."  Wie wahr!
In Mbale haben Caro und ich uns dann getrennt und ich bin nach Jinja zu Emil und Samuel gefahren und habe dort meine Nacht verbracht - auch eine auf den ersten Anschein sehr hübsche Stadt, muss jedoch noch mal dahin und ein wenig mehr Zeit mitbringen.
Den Dienstag hab ich für die Rückreise genutzt und bin um acht Uhr wieder in Kasese angekommen, wo mich die Wärme zur Begrüßung in die Arme genommen hat!

(Diesen Blog-Eintrag müsst ihr besonders würdigen, da ich beim Schreiben doch glatt die Nudeln vergessen habe und die nun ungenießbar sind.)

Donnerstag, 13. September 2012

Queen Elizabeth National Park

Auf Grund von allerlei technischem Wirrwarr verspätet sich dieser Eintrag zwar ein wenig, aber besser spät als nie!:) Nachdem ich nun nämlich schon zwei Mal im Nationalpark war, möchte ich euch diese schönen Erlebnisse nicht länger vorenthalten.

Der Queen Elizabeth National Park ist in Uganda der bekannteste bzw. populärste Nationalpark und ich habe das Glück, direkt an der Grenze zu ihm zu leben, wodurch ich innerhalb von nur einer halben Stunde am Main Gate des Parks bin.
Da Xavier (ein aus dem Kongo stammender Belgier) letzte Woche von zwei Freunden Besuch hatte, konnte ich mich anschließen, als sie am Mittwoch eine Bootstour auf dem Kazinga Channel, der Lake George und Lake Edward verbindet, gemacht haben - und das, ohne dafür bezahlen zu müssen! Xavier arbeitet nämlich für BTC in einem Projekt, bei dem es sich um Fish-Farming dreht und hat somit ein Boot zur Verfügung. Schon auf dem Hinweg nach Katunguru haben wir neben der Hauptstraße einige Tiere (hauptsächlich Büffel und Elefanten) gesichtet und haben sie aus Abstand bewundert und Fotos gemacht. Der Abstand schien uns recht wichtig, da wir kurz zuvor beobachtet haben, wie ein Elefant einen Minibus 'gejagt' hat, der sich getraut hat, zu nahe an ihm stehen zu bleiben. Ohnehin habe ich mittlerweile sehr viel Respekt vor den Elefanten, die mir zuvor als sehr gutmütig erschienen, nachdem ich von einigen Boda-Fahrern und Touristen gehört habe, die von Elefanten umgebracht wurden. Die Bootfahrt selber war wirklich toll! Zwar hatten wir nicht so ein Glück mit dem Wetter - es war recht bewolkt - dafür aber umso mehr Glück mit den Tieren, die alle ans Wasser kommen, um sich ein wenig abzukühlen. Wir haben jede Menge Hippos (die es mir besonders angetan haben), Elefanten, Büffel, Krokodile,.. gesehen und ich hatte ständig Angst, dass unser Boot von einem wiederauftauchenden Hippo umgestoßen wird, obwohl das wohl ziemlich absurd ist, da die Hippos rechtzeitig wegschwimmen.
Zurück bin ich mit Xavier auf seinem Motorrad gefahren, da wir wenigstens nachmittags arbeiten wollten (kaum war ich zu Hause angekommen, hat mein Chef mich jedoch angerufen und gesagt, dass ich nicht mehr zu kommen brauche). Auf dem Motorrad durch den Nationalpark zu fahren, fand ich dann allerdings doch ein wenig komisch, im Auto hat man das Gefühl, dass man ein wenig besser geschützt ist. 

Der jagende Elefant





Am Samstag war ich dann mit Sasha im Nationalpark, da er nur noch zwei Monate hier hat und nun ein wenig in Stress kommt, weil er seiner Meinung nach noch viel zu wenig gesehen hat. Da er jedoch verschlafen hat und ich kein Geld mehr auf dem Handy hatte um ihn wachzuklingeln, waren wir ein wenig zu spät, um die Löwen zu sehen, die sich tagsüber auf Grund der Hitze zurückziehen. Trotzdem sind wir jeden einzelnen Weg durch den "Kasenyi"-Teil des Nationalparks gefahren, in dem man die Löwen am ehesten zu blicken kriegt, bis wir schließlich aufgegeben haben und beschlossen haben abends wiederzukommen. Stattdessen haben wir dann den "Crater Drive" genommen, der durch einem von der Hauptstraße durch die Kraterlandschaft zum Main Gate führt. Der Weg (der immerhin 24 km lang ist), war glaube ich wirklich mein Highlight des Tages, da man zwar kaum Tiere sieht, die Landschaft aber wirklich unbeschreiblich schön ist. Außerdem ist dort kaum jemand unterwegs, da sich die ganzen Unternehmen, die die Fahrten anbieten, nicht auf diesen wirklich schmalen und abenteuerlichen Weg einlassen. Zur Mittagszeit sind wir in der Mweya Safari Lodge eingetroffen, die wirklich schrecklich bonzig, aber auch super schön ist. Von dort hat man einen fast 360°-Blick auf Wasser und weil wir uns ja sonst nichts gönnen haben wir dort zu Mittag gegessen - lecker!! Hatte dort mein erstes Dessert, seit ich hier bin. Den Nachmittag haben wir dann größtenteils in dem Teil des Nationalparks mit dem Namen 'North Kazinga Plains' verbracht und hatten tatsächlich noch eine knappe Situation mit Elefanten. Ich habe nämlich direkt rechts neben der Straße einige Elefanten gesehen und da es eine Weile gedauert hat bis wir zum Stillstand kamen (Sasha rast ziemlich!!) habe ich ihn gebeten zurückzusetzen. Erst kurz bevor wir wieder in der Höhe der Elefanten waren ist mir aufgefallen, dass es nur logisch wäre, wenn von links noch weitere Elefanten kommen würden - womit ich auch Recht hatte. Ein Elefantenbulle fing sogar schon an recht aggressiv in unsere Richtung zu kommen und wir haben es wirklich erst im letzten Moment geschafft schnell wegzufahren. Ich kann mir wirklich schöneres vorstellen, als zwischen Elefanten festzustecken! :D
Am frühen Abend haben wir dann sogar noch die Löwen gesehen, jedoch nur von relativ weit weg und sie waren zu faul zum Jagen. Das hat mich allerdings nicht allzusehr betrübt, da Jonas und Kristien (ein belgisches Pärchen, das in Kasese wohnt) nur zwei Tage zuvor beobachten konnten, wie die Löwen einen ugandischen Polizisten gerissen haben, der aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund in der Mitte des Nationalparks hinter einem Busch saß und darauf gewartet hat zu Abend gegessen zu werden.
Pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit waren wir dann wieder zu Hause, kaputt, verschmutzt und glücklich! Ich bin nur ein wenig traurig, dass ich noch keine Giraffen und Zebras gesehen habe, aber mir wurde schon ein Tipp gegeben, zu welchem Nationalpark ich als nächstes sollte ;)  


Kraterlandschaft

Die Elefantenherde, zwischen die wir geraten sind


Montag, 3. September 2012

Bio Gardens / MAMI

Bio Gardens wurde im März 2004 als Community Based Organisation (CBO) gegründet und bemüht sich aktuell um den Status einer NGO. Das Office, in dem wir zumeist mit drei Leuten arbeiten, befindet sich in Kasese. Der Hintergrund der Gründung war die Erhaltung des Wissens der Älteren über die Landwirtschaft und (pflanzliche) Medizin, sowie der Erhalt des Ökosystems des Rwenzori Gebirges.

Das Office mit meinem Chef (Mister Emmanuel) davor

Um das Vorhaben betrefflich der Medizin umzusetzen wurde von Bio Gardens das Projekt "Monik Adriaens Medicines Institute" (MAMI) ins Leben gerufen, das heute einen Großteil der Arbeit von Bio Gardens ausmacht. Ziel dieses Projekts: "the conservation of Natural resources of the Rwenzori Mountains and providing sustainable and affordable alternative Medicines for the rural poor" (hat also fast das gleiche Ziel wie Bio Gardens im Allgemeinen). Im Rahmen von MAMI wurde etwas außerhalb von Kasese in den Bergen ein Medicinal Plant Garden angelegt, in dem man über 100 Pflanzen findet, die fast alle zur Herstellung von pflanzlicher Medizin genutzt werden können. Jedoch dient dieser Garten bisher weniger der eigenen Produktion von Medizin, sondern lässt sich viel eher als Beispiel oder Ansammlung bezeichnen. Einmal die Woche (freitags) findet im Garten ein Training statt, zu dem Farmer aus der Umgebung kommen. Insgesamt arbeiten etwa 40 Farmer mit Bio Gardens zusammen, jedoch kommen zu dem Training in der Regel nicht alle, sondern nur die, die Zeit haben. In dem Training wird zunächst über eine Pflanze diskutiert (gegen welche Krankheiten sie hilft und wie man sie bei den unterschiedlichen Krankheiten zubereitet) und dann bringen des Weiteren noch manche Farmer Pflanzen mit, von denen sie nicht genau wissen, wozu sie dienen oder um was für Pflanzen es sich handelt. Bisher verstehe ich davon leider noch nicht gerade viel, weil die meisten Farmer kein Englisch sprechen, aber zum Glück beginnt diese Woche mein Lhukonzo-Sprachkurs (jeden Tag 2 Stunden, mindestens ein Monat lang.. das wird anstrengend!).

Medicinal Plant Garden

Meine Arbeit gestaltet sich (nach der anfänglichen Unzufriedenheit) nun doch sehr vielseitig. Ich designe Product Labels zum Verkauf von pflanzlicher Medizin; digitalisiere eine Liste von Heilpflanzen, in denen jeweils die Krankheiten gegen die sie helfen und die jeweilige Zubereitung der Pflanzen stehen (außerdem auch noch aus dem Garten stammende Fotos der Pflanzen); versuche Bio Gardens ein wenig mit der Öffentlichkeit zu verknüpfen (http://www.facebook.com/BioGardensMAMI, vielleicht folgt auch noch eine Homepage),... Des Weiteren hoffe ich, den Garten in dem nächsten Jahr ein wenig übersichtlicher - und somit touristenfreundlicher - gestalten zu können, zum Beispiel durch das Anbringen von 'Namensschildern' an den Pflanzen, der Erstellung von vernünftigen Wegen und vor allem auch dem leichteren Erreichen des Gartens, denn wenn man den nicht kennt, ist es geradezu unmöglich den Weg dorthin zu finden.
Zusätzlich habe ich bewirkt, dass wir in dem Garten vermutlich eine Komposttoilette bauen werden. Da es dort sowieso noch an einigem fehlt (das Trainings-Haus ist noch im Aufbau), war sowieso geplant, demnächst eine Toilette dort zu bauen - warum also nicht gleich eine Komposttoilette?

Mein Arbeitsplatz

Wie man sich als gescheiter Mensch also schon denken kann, wird für all diese Pläne Geld gebraucht. Momentan primär für die Vollendung des Hauses, den Bau der Komposttoilette und die Anschaffung eines Arbeitsfahrzeugs für Bio Gardens. Und auch wenn ich momentan schon mein Bestes gebe, um die Eigenfinanzierung von Bio Gardens zu stärken (z.B. durch vermehrten Medizin-Verkauf), reicht das dabei verdiente Geld nicht für solch große Vorhaben. Wem also dieses Projekt zusagt: ihr könnt gerne spenden! Und seien es nur die kleinsten Summen, fühlt euch frei mich zu kontaktieren (mariesprute@aol.com) und nach meiner Kontonummer zu fragen. 

Mary und Emmanuel bei der Herstellung von natürlicher Medizin

Ich hoffe, dass euch dieser Bericht einen kleinen Einblick in mein Arbeitsleben ermöglicht hat!

Sonntag, 2. September 2012

Ein Wochenende in Fort Portal

Abendlicher Blick über Fort Portal

Kyaninga Lodge

Jumping Joseph ;)
Schwimmen im Kyaninga Crater Lake 

Blick aus der Kyaninga Lodge

Fort Portal wird mich bestimmt bald wiedersehen! Wegen der Schönheit der grünen Stadt, dem Springen ins kühle Nass (das kann man schließlich nicht überall bedenkenlos), dem guten Essen und Trinken (es gab sogar leckeren Cappuccino!! Und Pizza!) und den - im Vergleich zu Kasese - wirklich guten Clubs ;)