Also kommen hier einfach mal ein paar Fotos und ein kleiner Überblick, von dem, was ich so getrieben habe.
Am 2. Oktober bin ich nach Bwera gefahren, ein kleines Städtchen, dass direkt an der Grenze zum Kongo liegt. Dort hat es mich hinverschlagen, weil mein Mentor dort lebt und arbeitet. Hauptsächlich war ich da, um sein Projekt kennenzulernen: eine Schule, in der von den etwas über hundert Schülern etwa 47 Kinder Aids-Waisen sind. Eigentlich eine Schule wie jede andere auch, nur hatte ich das Gefühl, dass die Kinder weniger lächeln (habe ich mir auf Grund meiner Niedergeschlagenheit vielleicht aber auch eingebildet).
Aber auch ansonsten war der 2-tägige Aufenthalt wirklich interessant. Ich habe in dem Haus meines Mentors geschlafen: kein Strom, kein Wasser, mein Bett durch einen Vorhang vom Rest abgetrennt; dafür aber eine riesige Gastfreundschaft und Unmengen an Essen. Die Gespräche mit ihm waren ebenfalls recht aufschlussreich, da er sich mit vielen regionalen Problemen beschäftigt, von denen ich zuvor zum Teil gar nicht so viel mitbekommen habe. So werden hier zum Beispiel wahnsinnig viele 12- bis 19-jährige schwanger. Die Gründe dafür sind vielseitig: der Hauptgrund scheint die Armut zu sein, da viele Mädchen, die kein Geld zum Essen haben, dieses dann von den Jungs in der Schule für eine "Gegenleistung" erkaufen können, oder sich zum Teil sogar Sugardaddys suchen. Wenn dann erstmal ein Mädchen damit angefangen hat, kommt es dazu, dass seine Freundinnen es auch machen, weil es "cool" ist. Kann man ja im Grunde genommen mit dem Rauchen auf deutschen Schulhöfen vergleichen, nur dass man vom Rauchen kein Baby kriegt. Der letzte Grund ist, dass die Mädchen versuchen, den "Western lifestyle" zu kopieren - ist euch mal aufgefallen, dass bei den (häufigen) Sexszenen in Filmen davor nie gezeigt wird, dass das Paar ein Kondom benutzt? Und selbst wenn die Kinder / Jugendlichen wissen, dass man eigentlich ein Kondom benutzen sollte: sie würden sich viel zu sehr schämen, um sich welche zu kaufen.
Wie dem auch sei, das sind die ersten Gedanken, die ich mir zu diesem Thema gemacht habe, das wird mich bestimmt noch die restliche Zeit hier verfolgen.
Kinder der "Rena Skole" beim Lunch |
Am Samstag dem 6. Oktober bin ich nach Kampala gefahren und bin dort bis zum darauffolgenden Donnerstag geblieben. Über diese knappe Woche lässt sich nicht so wahnsinnig viel erzählen. Ich hab ein unverschämt westliches Leben geführt (gut gegessen, beim Friseur gewesen, eingekauft,..), an einem Abend waren wir sogar in einem deutschsprachigen Film, der vom Goethe-Institut angeboten wurde.
Am 9. Oktober war 50. Independence-Tag, den ich alles in allem zwar irgendwie beeindruckend, aber auch wahnsinnig bescheurt fand. Beeindruckend war er, weil wirklich die ganze Stadt auf den Kopf gestellt wurde: neuer Rasen auf den Mittelstreifen, überall Fahnen, manche Pfeiler wurden neu angestrichen,.. Wenn man dann allerdings bedenkt, was man von dem ganzen Geld SINNVOLLES tun könnte, findet man das nur noch absurd. Ich finde es zumindest absurd, vor allem, da Museveni das ganze Geld raushaut, um sich selbst zu lobhudeln, ohne das die ganze Bevölkerung dahinter steht. Viele Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe (was aber zugegebenerweise hauptsächlich junge und gebildete Studenten waren - repräsentiet also nicht die breite Bevölkerungsschicht), nahmen gar nicht richtig am Unabhängigkeitstag teil, da sie nicht mit der Politik Musevenis zufrieden sind, sondern nutzten den freien Tag eher als einen guten Grund Alkohol zu trinken und feiern zu gehen. Haben wir letztendlich ähnlich gehalten, auch wenn wir davor versucht haben, zumindestens einen Teil mitzukriegen (mir wurde der Eintritt auf das Gelände jedoch verwehrt, da ich eine Kamera bei mir hatte). Die Kraft dieser jungen Leute sollte man meiner Meinung nach nicht unterschätzen, heute habe ich in der "BBC - Focus on Africa" den folgenden Text von George Ayittey gelesen:
Der Text ist zwar nicht explizit auf Uganda bezogen und ist vielleicht auch ein bisschen zu hoch gegriffen (zumindest für Uganda), aber die Grundaussage ist schon nicht unwahr. Es gibt immer mehr gebildete junge Leute die wissen, wie es sein könnte und die nicht mehr zu der Generation gehört, die Museveni dankbar ist, weil er sie von Idi Amin "erlöst" hat. Ein belgischer Freund von mir ist der festen Überzeugung, dass es innerhalb der nächsten 10 Jahre zu einer "Revolution" kommt, mal schauen, ob er Recht hat.
A new generation of angry Africans I call 'the cheetahs' is emerging. They are fed up with dysfunction, rampant corruption and dictatorship. They understand what accountability, rule of law and democracy are all about. Young, university educated, agile and tech-savvy, they will push aside the sclerotic opposition leaders - some with cobwebs dangling from their ears - drain the ponds of 'the hippos' and take back Africa - one village at a time.
Nur zwei der Leckerein, die ich mir in Kampala gegönnt habe:
Cappuccino en masse.. |
.. und Turkish Pizza |
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Ein Teil der "Kasese Crew" - 2 davon sind nun weg, 4 Leute waren nicht da |